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Die Sommerferien sind vorbei. Zumindest in Polen. Während in Deutschland die verschiedenen Bundesländer zu unterschiedlichen Terminen mit der Schule starten, geht es in Polen Jahr für Jahr am 1. September los.

In Deutschland haben heute (1. September) noch drei Bundesländer Ferien: NRW bis zum 1., Baden-Württemberg bis zum 12. und Bayern bis zum 14. September 2026.

Selbstverständlich ist es vernünftig, dass nicht alle Kinder in Deutschland gleichzeitig Ferien haben und am selben Tag mit der Schule starten. Es gibt gute Gründe dafür: weniger Staus auf den Autobahnen, mehr Möglichkeiten, eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus zu mieten und vielleicht sogar günstigere Preise.

Nichtsdestotrotz – ich hänge immer noch an dem Datum. In Polen startet die Schule am 1. September. Basta! Daran hat sich seit Jahren nichts geändert. Und wenn der 1. September auf ein Wochenende fällt, verschiebt sich der tatsächliche Unterrichtsbeginn auf den darauffolgenden Montag.

Der 1. September ist in vielen Teilen der Welt der traditionelle Beginn des neuen Schuljahres. Besonders stark verankert ist dieses feste Datum in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in weiten Teilen des ehemaligen Ostblocks. Auch in einigen asiatischen Ländern wie China, Taiwan oder der Mongolei beginnt das Schuljahr zu diesem festen Zeitpunkt. In Westeuropa ist dies beispielsweise auch in Frankreich der Fall.

Der 1. September ist eine feste Zäsur. Und das mag ich. Ich mag als gebürtige Polin eine klare Struktur und fand es in Polen angenehm, nicht jedes Jahr aufs Neue – wie jetzt in Deutschland – prüfen zu müssen, wann die Ferien beginnen und wann die Schule wieder losgeht.

In Ländern wie Deutschland, den USA oder Kanada gibt es kein einheitliches Datum: Dort variiert der Schulstart von Region zu Region, in Deutschland von Bundesland zu Bundesland. Und das macht mich jedes Jahr in meiner deutschen Wahlheimat aufs Neue nervös.

Zurück zum Thema Schule: Nicht nur der Start des Unterrichts nach den Ferien ist in Deutschland anders als in Polen, sondern auch das gesamte Schulsystem.

Nur ein Beispiel: Die Grundschule in Deutschland dauert vier Jahre. Danach wechseln die Kinder auf weiterführende Schulen. In Polen dagegen dauert die Grundschule acht Jahre. Hier zieht mich mein deutscher Mann immer wieder damit auf, dass ich in Polen sehr, sehr lange für die Grundschule gebraucht hätte. Ha … ha.

Auch der Ablauf des ersten Schultages in Polen ist anders. Es gibt keinen regulären Unterricht. Am 1. September finden stattdessen ein feierlicher Appell und ein organisatorisches Treffen mit dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin statt.

Die polnischen Schülerinnen und Schüler – und zwar alle, auch die Erstklässler, die ebenfalls am 1. September mit der Schule beginnen – erscheinen an diesem Tag in festlicher Kleidung. In der Regel in Weiß und Schwarz oder Dunkelblau. Die Jungen tragen ein weißes Hemd und eine dunkle Hose, die Mädchen eine weiße Bluse und einen dunklen Rock.

Und diese Feierlichkeit des Tages vermisse ich in Deutschland so sehr. In Deutschland ist davon zum Schulstart kaum etwas zu spüren. Nur bei der Einschulung der Erstklässler, die in Deutschland in der Regel einen Tag nach dem eigentlichen Schuljahresbeginn stattfindet, merkt man etwas von diesem festlichen Rahmen.

Und noch ein kurioser Unterschied zu Deutschland: das Notensystem. In Polen werden die Noten von 1 bis 6 vergeben. Die beste Note ist nicht die 1, sondern die 6! Die schlechteste ist die 1.

Über die polnischen Schulen, die Noten und das Schulsystem im Allgemeinen könnte man noch viel schreiben. Das aber bei einer anderen Gelegenheit.

Heute, am 1. September, schwelge ich in Erinnerungen und wünsche allen Kindern – sowohl in Polen als auch in Deutschland – einen guten Start in das neue Schuljahr.

Gutes Gelingen!