Deutsch-polnischer Blog

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WM 2026 oder des Kaisers neue Flagge

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Alle sind im Fußballfieber. Die Weltmeisterschaft 2026 hat begonnen. Ich sehe draußen viele deutsche Flaggen und muss dabei an Folgendes denken:

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind Ausländer und bereiten sich fleißig auf den Einbürgerungstest vor. Vor Ihnen liegen kluge Bücher, und in einem davon befindet sich ein buntes Foto der Bundesflagge. Im Fragenkatalog zur Testvorbereitung lesen Sie Aufgabe 214 von 310. Sie lautet: Welche Farben hat die deutsche Flagge? Was würden Sie spontan antworten?

Gelb oder Gold?

Sie schlagen Artikel 22 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland nach und finden dort: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“ Jedes Mal, wenn ich diese Zeile lese, muss ich an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen denken.

Ich glaube, europaweit kennt jedes Kind die Geschichte von einem Kaiser, der sich Kleider anfertigen ließ, die aus einem ungewöhnlichen Stoff genäht werden sollten. Dieser Stoff war für Menschen unsichtbar, die für ihr Amt ungeeignet oder dumm waren. Eine Parallele dazu liegt auf der Hand: Während ich und viele andere Ausländer beziehungsweise Neubürger auf der Fahne Gelb sehen, behaupten die Deutschen, der letzte Streifen sei Gold. Wer hat nun recht?

Sie erlauben mir hoffentlich, diesen Gedanken nicht weiter auszuführen. Zum Glück ist das Märchen keine Wirklichkeit, und ich habe weder vor, einen Intelligenztest durchzuführen, noch jemanden zu beleidigen.

Verstand versus Auge

Der Einbürgerungstest geht auf dieses Dilemma nicht ein. Das Multiple-Choice-Verfahren sieht bei Aufgabe 214 folgende Antwortmöglichkeiten vor:

  • schwarz-rot-gold
  • rot-weiß-schwarz
  • schwarz-rot-grün
  • schwarz-gelb-rot

Die meisten Einbürgerungsanwärter staunen über diese Auswahl. An dieser Stelle möchte ich allen, die wie ich verwirrt sind, eine Eselsbrücke anbieten: Die Farben der deutschen Bundesflagge sind schwarz-rot-gelb, aber die Deutschen sprechen von schwarz-rot-gold. Nicht wahr?

Und welche Antwort würden Sie ankreuzen, wenn Sie nur Ihren Augen trauen würden?

Ich wünsche unserer Mannschaft – ich bin bereits seit Jahren deutsche Staatsbürgerin – ein erfolgreiches Turnier und uns Zuschauern spannende Spiele. Wenn Sie an einem Haus oder an einem Auto die deutsche Flagge sehen, denken Sie daran: Gelb oder Gold?

Und falls Sie sich bei einem langweiligen Fußballspiel die Zeit vertreiben möchten und Lust haben, ein paar Fragen aus dem Einbürgerungstest zu beantworten, um zu überprüfen, ob Sie den Test überhaupt bestehen würden, empfehle ich das Online-Testcenter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge:

Online-Testcenter des BAMF

Viel Erfolg!

„Gecko und das Glück des Gebens“

Mehrsprachiges Bilderbuchkino auf Deutsch, Italienisch und Polnisch

Wir laden Kinder ab 4 Jahren mit ihren Eltern wieder herzlich zum mehrsprachigen Bilderbuchkino in die Bibliothek Euskirchen ein.

Diesmal lesen wir euch die Geschichte eines kleinen, selbstverliebten Geckos vor, der um jeden Preis ein Star werden möchte. Die wunderschönen Illustrationen des Bilderbuchs werden dabei auf eine Leinwand projiziert.

Gemeinsam besuchen wir den Gecko auf einer tropischen Insel. Deren Bewohner müssen so manches ertragen, bis der Gecko eines Tages ein Echo entdeckt. Diese besondere Erfahrung verändert sein Leben. Wie? Das erfahrt ihr am 7. Juli 2026 um 16:30 Uhr in der Wilhelmstraße 32–34 in Euskirchen.

Der Eintritt ist frei.

Sommer, Sonne, Autobahn

Es ist Juni. In Polen wissen alle Schulkinder – ausnahmslos alle –, was das bedeutet: Am Ende des Monats beginnen die Sommerferien. Und zwar für alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig. Nicht wie in Deutschland, wo man nie genau weiß, ob die Sommerferien in diesem Jahr im Juni, Juli oder sogar erst im August anfangen. In den meisten Bundesländern ist das jedes Jahr anders. Das hat mich immer verwirrt.

Ich bin ein Kind des Ostblocks, geprägt durch den Kommunismus. Nicht, dass ich ihn vermissen würde. Aber eine Sache fand ich als Kind großartig: die langen Sommerferien von Ende Juni bis zum 31. August. Fast neun Wochen. Meine berufstätigen Eltern waren darüber bestimmt nicht immer begeistert, aber sie haben jedes Jahr eine Lösung gefunden und uns in Sommercamps, Pfadfinderlager oder andere Ferienfreizeiten geschickt.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Sommerferien für polnische Kinder dauern nach wie vor von Ende Juni bis Ende August. Sommer, Sonne, Freiheit. Zwei Monate lang keine Schule.

Ich habe mich immer gefragt, warum die Sommerferien in Deutschland in der Regel nur sechs Wochen dauern, während sie in Polen fast drei Wochen länger sind. Sowohl in Polen als auch in Deutschland haben die Schülerinnen und Schüler etwa 13, in Polen sogar bis zu 14 Wochen im Jahr schulfrei. Wie ist das möglich? – dachte ich.

Dann habe ich verglichen: Sommerferien gibt es in beiden Ländern, Herbstferien dagegen nur in Deutschland. Die Weihnachtsferien sind dort meist länger. In Polen gibt es dafür zwei Wochen Winterferien, die es in Deutschland nicht gibt. Die Osterferien dauern in Deutschland etwa zwei Wochen, in Polen dagegen nur wenige Tage. So kommt man am Ende auf eine ähnliche Zahl schulfreier Tage, die jedoch anders über das Jahr verteilt sind. Das ist das Geheimnis.

Spielplätze an den Autobahnen

Und wenn man von Sommerferien spricht, muss man auch an die Reisezeit denken. An lange Fahrten. Und an Staus auf den Autobahnen.

Und hier eine Quizfrage: Wohin fahren die meisten Polen, die im Ausland leben, in den Sommerferien? Natürlich in Richtung Heimat. Auch mich zieht es jedes Mal dorthin.

Bis man jedoch am Ziel angekommen ist, hört man von den Kindern oft stundenlang dieselbe Frage: „Wann sind wir endlich da?“ Deshalb sollte man sich vor der Fahrt überlegen, wo man unterwegs eine Pause einlegen kann.

Bisher habe ich mir immer eine ausgedruckte Routenkarte vom ADAC besorgt – ich bin Mitglied und bekomme sie kostenlos –, mit der man die Strecke gut verfolgen kann. Einmal habe ich auf einem Rastplatz beobachtet, wie bei einem Fahrer das Navi ausgefallen ist. Er stand ratlos da – ohne digitale Navigation und ohne Papierkarte. Seitdem fahre ich nie mehr ohne eine Karte los. Das Navi im Auto oder auf dem Handy ist großartig – solange es funktioniert.

Ich habe immer gehofft, dass auf den ADAC-Karten Spielplätze entlang der Route eingezeichnet sind. Pustekuchen. Auch die ADAC Maps weisen nicht darauf hin, vor allem nicht entlang der polnischen Autobahnen. Zwar kann man dort bequem eine Route planen und sich Rastplätze mit Tankstellen entlang der Strecke anzeigen lassen. Über die Detailoptionen kann man sogar gezielt nach Spielplätzen suchen. In Polen sucht man jedoch häufig vergeblich. Nicht, dass es dort keine gäbe – im Gegenteil. Viele Rastplätze sind hervorragend ausgestattet. Die Informationen fehlen lediglich bei ADAC Maps. Wie so oft scheint hinter der deutschen Ostgrenze noch immer gefühlt ein schwarzes Loch zu beginnen.

Deshalb empfehle ich bei der Suche nach Spielplätzen an den Autobahnen eher Google Maps. Dort kann man entlang der Route gezielt nach dem Schlagwort „MOP“ (Miejsce Obsługi Podróżnych) suchen, was auf Deutsch „Rastplatz“ bedeutet. Durch Rezensionen und Fotos kann man erkennen, ob dort Spielplätze vorhanden sind.

Am besten plant man seine Zwischenstopps an größeren Rastanlagen mit Orlen-, BP- oder Shell-Tankstellen. Dort gibt es meist gut ausgestattete Kinderspielplätze sowie gastronomische Angebote.

Gute Reise – Miłej podróży!

Bilingualität als Lebensstil

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Es gibt viele Theorien über die zweisprachige Erziehung und zahlreiche Ratgeber mit unzähligen Tipps. Meine Erfahrung hat mir jedoch gezeigt, dass es am besten ist, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen. Denn jede Familie ist anders. Es gibt Familien, in denen zwei Muttersprachler in einem Land ihrer Wahl leben, dessen Sprache jedoch nicht ihre Muttersprache ist. Außerdem gibt es Familien, in denen nur ein Elternteil eine andere Muttersprache hat als der Rest der Familie. Dabei macht es einen großen Unterschied, ob es die Mutter oder der Vater ist. Frauen und Männer gehen Erziehungsfragen oft unterschiedlich an. Deshalb sind Ratgeber zwar hilfreich, können aber nicht jede familiäre Konstellation abdecken.

Meine Familie

Ich bin polnische Muttersprachlerin, mein Mann dagegen deutscher Muttersprachler. Unsere Kinder wachsen in einer deutschsprachigen Umgebung auf. In der Familie meines Mannes wird Deutsch gesprochen, ebenso in der Kita, in der Schule und im Freundeskreis. Meine Aufgabe ist es also, den Kindern die polnische Sprache beizubringen. Keine leichte Aufgabe, wenn der Kontakt zu meiner Muttersprache eingeschränkt ist.

Eine Person – eine Sprache

In einer Fortbildung zur zweisprachigen Erziehung habe ich gehört, dass es am besten sei, wenn Kinder lernen: Die Mama spricht ihre Muttersprache, der Papa seine. Also: eine Person – eine Sprache. Das funktioniert bei uns leider nicht immer. Zwar spreche ich mit den Kindern meistens Polnisch, breche diese Regel aber, wenn wir mit Freunden unterwegs sind, die kein Polnisch verstehen. Ich finde es unhöflich, wenn sie dabei sind und nichts verstehen. Auch bei den Hausaufgaben spreche ich oft Deutsch. Als Germanistin bin ich zu Hause für die Korrektur der Deutschhausaufgaben zuständig. Außerdem übernehme ich das Vorlesen in beiden Sprachen – mal auf Deutsch, mal auf Polnisch.

Polnisch im Alltag

Es ist viel Arbeit, Kinder zweisprachig großzuziehen. Man muss von Anfang an konsequent sein, mit Überzeugung handeln und dabei authentisch bleiben – egal, was andere denken. Zum Glück war das Thema in unserer Familie nie ein Problem. Mein Mann unterstützt mich dabei. Wir beide sind der Meinung, dass jede Sprache, selbst eine weniger verbreitete, eine große Bereicherung ist. Doch wie macht man es richtig?

Vollständige Sätze in beiden Sprachen

Da ich die Regel „eine Person – eine Sprache“ nicht konsequent befolge, habe ich eine andere Lösung gefunden: Wenn ich mit den Kindern rede und zwischen den Sprachen wechsle, dann immer in vollständigen Sätzen. Ich achte darauf, dass die grammatischen Satzkonstruktionen in beiden Sprachen korrekt bleiben. Ich vermeide es, polnische Wörter in deutsche Sätze einzufügen – und umgekehrt. Oft sage ich denselben vollständigen Satz in beiden Sprachen. So vermittle ich gleichzeitig Grammatik und Wortschatz.

Die Kinder

Und die Kinder? Sie antworten mir meistens auf Deutsch. Langsam kommen aber auch immer mehr Antworten auf Polnisch. Ich bin geduldig und hartnäckig – und bleibe dran. Mit Vorlesen, Erzählen, polnischen Kinderreimen und allem anderen, was zur polnischen Sprache dazugehört.

Deutsche vs. polnische Mentalität

Achtung, es wird ein wenig technisch – und persönlich. An diesem Beispiel aus dem echten Leben habe ich endlich verstanden, was deutsche von polnischen Handwerkern unterscheidet.

Unsere Kinder sind größer geworden, die Fahrräder auch. Der Kofferraum war raus – also musste ein Kupplungsträger her. Nach Stunden (und mit Hilfe unseres erfahrenen Nachbarn) stand das Ding endlich. Mein Mann ließ noch eine Kupplung in der Werkstatt montieren. Perfekt, dachte ich. Aufladen, losfahren.

Sonntag, Sonne, Fahrradtour. Mein Mann kocht, ich montiere den Träger. Mit Nachbarhilfe klappt alles – bis zum Kabel. Wohin damit? In die Anhängersteckdose. Problem: Es gibt keine. Ich unter dem Auto, der Nachbar unter dem Auto – nichts. Kein Anschluss, nirgends. Ich auf 180. Mein Mann war doch in der Werkstatt! Hat bezahlt! Sagt einem denn niemand, dass man auch eine Steckdose braucht?!

Ich fluche erst auf Deutsch, dann auf Polnisch. Der Nachbar zieht sich diskret zurück. Ich stürme ins Haus. In Polen wäre das undenkbar. Da erklärt man alles – und noch mehr. Anhänger, Kupplung, Steckdose, plus Lebensgeschichte gratis. In Deutschland? Keine Frage, keine Antwort. Punkt.

Mein Mann bleibt ruhig. „Die Steckdose ist da“, sagt er. „Man muss sie nur ausklappen.“ Ich wieder unters Auto. Nichts. Ich fluche weiter und plane innerlich schon meine Rückkehr nach Polen.

Er googelt. Wortlos. Geht in die Garage. Kommt zurück: „Sie ist da.“

Ich verlange Beweisführung. Und siehe da: Die Steckdose existiert. Nicht vorne zum Ausklappen – sondern seitlich nach unten. Halleluja. Ich bin erschöpft.

Fazit: Polnische Handwerker erklären alles. Deutsche nur das, was man fragt – und genau so viel wie nötig. Nicht mehr, nicht weniger. Ordnung muss sein.

Nach all den Jahren habe ich das immer noch nicht gelernt. Selber schuld.

Und falls Sie sich fragen, warum mein Mann den Träger nicht selbst montiert hat: Einen Meister stört man nicht beim Kochen.

Polnischer Abgang

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Leute, wir müssen reden! – habe ich mir gedacht, als ich vor kurzem WDR 2 gehört habe. Das Moderatorenteam diskutierte mit Zuhörern darüber, wie man am besten eine Party verlässt. Höflich verabschieden? Allen die Hand schütteln? Oder einfach verschwinden?

Und plötzlich fiel die Redewendung: „Polnischer Abgang“.

Ich musste kurz überlegen. Ich lebe schließlich schon mein halbes Leben in Deutschland – also wirklich lange – aber diesen Begriff hatte ich noch nie gehört. Ein „polnischer Abgang“ bedeutet, dass sich jemand heimlich davonschleicht, ohne sich zu verabschieden. Aha. Wieder was gelernt. Offenbar bin ich all die Jahre immer falsch von Partys gegangen – nämlich mit „Auf Wiedersehen“.

Leider sind Sprichwörter über Polen in der deutschen Sprache öfter mal… sagen wir: nicht gerade schmeichelhaft. Da gibt es zum Beispiel die „polnische Wirtschaft“. Diese Redewendung steht für Chaos, Unordnung und schlechtes Management.

Da muss ich heute laut lachen. Wirklich laut. Aktuellen Berichten zufolge gehört Polen inzwischen zu den größten Volkswirtschaften: „Polen steigt unter die 20 größten Volkswirtschaften der Welt“, schrieb die Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer am 29.08.2025. Die Tagesschau berichtete am 10.01.2026 dagegen, warum Polens Wirtschaft boomt. Euronews – ein paneuropäischer und mehrsprachiger Fernsehsender für Nachrichten – betitelte am 04.03.2026 seinen Artikel: „Vergleich: Polen ist ein Aufstiegsland – und Deutschlands Wirtschaft stagniert“.*

Polens Wirtschaft ist nach Angaben der EU-Kommission im vergangenen Jahr um etwa 3,2 Prozent gewachsen. Im Jahr 2026 rechnet man mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, während die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr nur ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnete. Im Jahr 2026 sollen es 1,2 Prozent sein.

Die Wirtschaft in Polen wächst, Unternehmen investieren, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Digitalisierung, Innovation, neue Fabriken – alles dabei. Wenn das „polnische Wirtschaft“ ist, dann sollten wir das Wort vielleicht neu definieren:
Polnische Wirtschaft = läuft.

Und dann sind da noch diese alten Klassiker: „polnisch einkaufen“, „kaum gestohlen, schon in Polen“ und „Fahren Sie nach Polen? Ihr Auto ist schon da.“ Ein Witz aus den 90er-Jahren. Damals, nach dem Fall der Berliner Mauer, stiegen die Autodiebstähle, und schnell hatte man einen Schuldigen gefunden: den Nachbarn im Osten. Der Witz hat sich bis heute gehalten.

Nur hat die Geschichte inzwischen eine kleine Wendung genommen. Die deutsche Automobilindustrie hat längst Produktionsstandorte nach Polen verlegt. In Poznań zum Beispiel rollen jedes Jahr Tausende Fahrzeuge vom Band: Lieferwagen, Familienautos, Camper. Modern, neu, mit Garantie. Das sind Modelle wie zum Beispiel VW Caddy, VW Crafter und VW Grand California. Wenn Sie heute nach Polen fahren, brauchen Sie also keine Angst um Ihr Auto zu haben. Im Gegenteil: Sie könnten sich dort sogar ein neues abholen.

So ändern sich die Zeiten.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, ein paar alte Redewendungen in Rente zu schicken. Oder ihnen wenigstens ein Update zu verpassen. Genug geredet. Ich verabschiede mich jetzt. Höflich. Mit Handschlag. Und ganz ohne Klischees.

Oder… vielleicht mache ich doch einen kleinen „polnischen Abgang“…

*Quellen:

https://www.ahk.pl/de/aktuelles/2025/polen-steigt-unter-die-20-groessten-volkswirtschaften-der-welt?utm_source=chatgpt.com

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/polen-wirtschaft-boom-100.html

https://de.euronews.com/2026/03/04/polens-wirtschaft-boomt-kann-deutschland-davon-lernen

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Produktionsstandorten_in_der_Automobilindustrie

Im wunderschönen Monat Mai

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Wenn ich an Mai denke, kommt mir sofort das Gedicht von Heinrich Heine in den Sinn:

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

[…]

Der Frühling ist da, alles blüht und es schwebt Liebe in der Luft. Es ist die Zeit der Freude. In Deutschland tanzt man in den Mai, in Polen dagegen grillt man in den Mai hinein. Das wichtigste Wort in diesem Monat in Polen heißt „majówka“.

Die Bezeichnung ist aus dem Wort „Maj“, zu Deutsch „Mai“, entstanden und steht für ein Picknick oder eine Veranstaltung im Mai im Freien. Man trifft sich mit Freunden, fährt aufs Land, grillt und feiert.

Dazu haben die Polen viele Möglichkeiten und viel Zeit. Gleich am Anfang des Monats gibt es nämlich zwei Feiertage. Am 1. Mai feiert man den Internationalen Tag der Arbeit, jetzt nicht mehr wie im Kommunismus, indem man nach einem Maiumzug zu einer sozialistischen Maikundgebung gegangen ist. In der Demokratie ist der feierliche Rahmen lockerer und freiwillig. Die Teilnahme an politischen Veranstaltungen ist keine Pflicht mehr. Es finden Demonstrationen verschiedener Gruppierungen statt, die von Picknicks, Jahrmärkten, Konferenzen, Open-Air-Diskussionen oder Konzerten begleitet werden.

Der andere Maifeiertag ist am 3. Mai. An diesem Tag feiert man die polnische Verfassung, die als erste ihrer Art in Europa und als zweite in der Welt verabschiedet wurde. Sie wurde am 3. Mai 1791 vom Sejm, dem polnischen Parlament, im Warschauer Königsschloss verabschiedet. Dieser Nationalfeiertag hat eine nicht so lange Tradition wie der Tag der Arbeit und wurde erst am 6. April 1990 eingeführt.

Somit freuen sich die Polen nicht nur über die Feiertage. Sie nutzen jedes Wochenende, um endlich Zeit im Freien zu verbringen und bei der majówka das schöne Wetter zu genießen.

Versuch’s auf Polnisch!

Sie würden gerne Polnisch lernen und wissen nicht, wie Sie anfangen sollen? Ich frage in solchen Fällen immer nach dem Grund der Entscheidung, denn dieser ist ausschlaggebend. Ob Urlaub, ein Studium oder eine familiäre Situation – in jedem dieser Fälle würde ich anders starten.

Menschen, die noch keine Vorkenntnisse haben und noch kein Geld investieren wollen, empfehle ich eine Starthilfe: die kostenlose Sprach-App „Versuch’s auf Polnisch!“. Die App lässt sich einfach bei Google Play für Android-Geräte oder im App Store für iPhones und iPads herunterladen. Entwickelt wurde sie vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und dient als mobiler Sprachführer für den deutsch-polnischen Jugendaustausch, Reisen oder den Alltag. Für Polnischsprechende, die Deutsch lernen, gibt es in der App eine Gegenpublikation „Spróbuj po niemiecku!“, die gleich aufgebaut ist – mit dem Unterschied, dass es sich hier um die deutsche und nicht um die polnische Sprache handelt.

Diese App ersetzt keinen Sprachkurs, vermittelt aber Grundlagen, auf denen man gute Grundkenntnisse aufbauen kann. Für den schnellen Gebrauch gibt es einige Redewendungen, die im Alltag hilfreich sein können. Der Vorteil dieser App ist, dass man sich jedes Wort oder jeden Satz vorsprechen lassen und zu den Favoriten hinzufügen kann, um danach die selbst erstellte Favoritenliste beliebig oft wiederholen zu können.

Das Wörterbuch lässt sich von A bis Z durchscrollen. Wie viele Wörter es umfasst, wird in der App leider nicht angegeben. Für einen guten Anfang reicht es jedoch. Die akustischen Vorlesehilfen werden durch schriftlich verfasste Ausspracheregeln ergänzt, die kurz anhand von Beispielen erklärt werden. Die polnische Grammatik wird auf das Nötigste beschränkt, ersetzt aber auf keinen Fall ein gutes Regelwerk. Das Wissenswerte liefert einige gute Informationen, um das Land und die Leute ein wenig kennenzulernen, und macht neugierig auf mehr.

Kurz und gut: Die App ermöglicht einen guten, kostenlosen Einstieg auf dem langen Weg des Spracherwerbs. Probieren Sie es selbst.

Endlich Frühling!

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Als ich meinen Mann nach deutschen Bräuchen zum Frühlingsanfang gefragt habe, war ich mir eigentlich sicher: Er müsste es wissen. Irgendetwas Besonderes, das man jedes Jahr am 21. März macht.

Nein, ich meinte nicht die Osterbräuche. Eher so etwas wie ein kleines Ritual zum Frühlingsanfang.

Seine Antwort war allerdings ernüchternd: Nein. So etwas kennt er nicht. Zumindest nicht aus der Gegend in Deutschland, aus der er kommt.

In Polen wäre diese Frage dagegen ganz einfach. Dort würden wahrscheinlich alle sofort zwei Dinge nennen:
„Topienie Marzanny“ – die „Ertränkung der Marzanna“ – und den „Dzień Wagarowicza“, also den Tag des Schulschwänzers.

Ertränkung der Marzanna

Am ersten Frühlingstag, dem 21. März, wird in Polen eine Puppe aus Stroh bunt angezogen, zuerst angezündet und dann in einen Fluss geworfen. Die Puppe symbolisiert eine heidnische Todesgöttin, die den Winter brachte. Durch ihre Verbrennung und Ertränkung soll auf diese Weise der Winter vertrieben werden, damit endlich der Frühling kommt und es später eine gute Ernte gibt.

Dieser altslawische Brauch hat sich über Jahrhunderte hinweg erhalten und wird bis heute zelebriert – in ländlichen Gegenden stärker als in den Städten. Besonders beliebt ist der Brauch in Kindergärten und Schulen.

Tag des Schulschwänzers

Die zweite Besonderheit, die am ersten Frühlingstag unter polnischen Schülern sehr beliebt ist, ist der „Tag des Schulschwänzers“. An diesem Tag machen viele polnische Schüler „blau“ und gehen nicht zum Unterricht.

Es ist kein offizieller Feiertag und kein Schüler wird von der Schulpflicht befreit. Trotzdem hat sich dieser Tag fest in die Tradition der polnischen Schulen eingeprägt. Die Tradition geht auf die kommunistischen Zeiten zurück, genauer gesagt auf die Zeit der Volksrepublik Polen (PRL). Das Schulschwänzen war eine Art des Rebellierens gegen das starre Schulsystem.

Wie es heute ist

Heute versuchen viele Schulen, an diesem Tag etwas Besonderes zu veranstalten – einen Ausflug, ein Fest oder einen Kinobesuch –, damit die Schüler in der Obhut der Schule bleiben. Es geht dabei vor allem um die Sicherheit der Schüler und den Naturschutz.

Deshalb wird an diesem Tag nicht mehr so oft geschwänzt wie früher und die Strohpuppe Marzanna wird meist nicht mehr richtig verbrannt oder ertränkt, um die Umwelt zu schonen. Eigentlich eine gute Entwicklung, oder?

Und trotzdem: Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als es am 21. März wirklich wild zuging. Diese Erinnerungen sind mir bis heute geblieben.

Das waren Zeiten.

Polnische Osterbräuche: „Gesegnetes“ oder „Gießmontag“

Ostern ist ein kirchliches Fest der Auferstehung Jesu Christi und wird in allen christlichen Ländern gefeiert. Die nationalen und regionalen Osterbräuche sind es jedoch, die die Tage der Karwoche in jedem Land anderes prägen.

In Polen gibt es an den Ostertagen zwei Gebräuche, die man meines Wissens so in Deutschland nicht findet.

Święconka“ (Gesegnetes)

Am Karsamstagvormittag gehen Familien in Polen mit einem Körbchen, das auf Polnisch „święconka“ (Gesegnetes) heißt, in die Kirche, um Speisen für das Frühstück am Ostersonntag segnen zu lassen. Die Körbchen werden schön geschmückt und beinhalten meistens bunt bemalte Eier, Brot, Wurst, Salz, Pfeffer und Kuchen. Sie werden auf einen Tisch in der Kirche abgestellt und jeder schaut heimlich, wer das schönste Körbchen hat. Nach einem Gebet werden sie von einem Priester gesegnet und mit Weihwasser besprengt. Ein Teil aus den Körbchen wird direkt in der Kirche für die Armen gespendet. Am Ostersonntag werden die gesegneten Eier geschält und mit der Familie am Festtisch geteilt. Dabei wünschen sich die Familienmitglieder frohe Ostern.

„Śmigus-dyngus“ (Gießmontag)

Das zweite, typisch polnische Brauchtum ist der „śmigus-dyngus“, genannt auch „lany poniedziałek“, zu Deutsch „nasser Montag“ oder „Gießmontag“.

Wie der Name schon verrät, findet er am Ostermontag statt. An diesem Tag bespritzen sich alle, Jung oder Alt, mit Wasser, dem Symbol für Reinheit und Fruchtbarkeit. Diese Tradition hat ihren Ursprung in heidnischen Bräuchen. Im Frühjahr wurden junge, noch nicht verheiratete Frauen von Männern mit Wasser besprengt. Man glaubte, dass dies ihre Chancen erhöhte, bald einen Ehemann zu finden.

Heute warten auf diesen Tag vor allem Kinder und Jugendliche. Andere Menschen mit Wasser unbestraft nass machen zu dürfen, macht viel Spaß. An diesem Tag sind in Polen ein Regenschirm oder eine Regenjacke angesagt, wenn man den Wasserangriffen einigermaßen Widerstand leisten möchte. Eine Garantie für trockene Kleidung gibt es am Ostermontag jedoch nicht. Während Jugendliche auf der Straße mit Eimern voller Wasser laufen und sogar ganze Wassereimer durch geöffnete Bustüren schütten, bevorzugen ältere Generationen ein Fläschen Parfüm. Jeder kann nun für sich entscheiden, welche Variante nassgespritzt zu werden ihm die liebere ist.

Um  diese Bräuche zu erleben, lohnt es sich, an Ostertagen Polen zu besuchen. Nur so erlebt man den polnischen Zauber dieser Tage und bekommt „nasse Füße“.

In diesem Sinne frohe Ostern und Wesołych Świąt Wielkanocnych

wünscht

Magdalena Kuckertz

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