Deutsch-polnischer Blog

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Deutsche vs. polnische Mentalität

Achtung, es wird ein wenig technisch – und persönlich. An diesem Beispiel aus dem echten Leben habe ich endlich verstanden, was deutsche von polnischen Handwerkern unterscheidet.

Unsere Kinder sind größer geworden, die Fahrräder auch. Der Kofferraum war raus – also musste ein Kupplungsträger her. Nach Stunden (und mit Hilfe unseres erfahrenen Nachbarn) stand das Ding endlich. Mein Mann ließ noch eine Kupplung in der Werkstatt montieren. Perfekt, dachte ich. Aufladen, losfahren.

Sonntag, Sonne, Fahrradtour. Mein Mann kocht, ich montiere den Träger. Mit Nachbarhilfe klappt alles – bis zum Kabel. Wohin damit? In die Anhängersteckdose. Problem: Es gibt keine. Ich unter dem Auto, der Nachbar unter dem Auto – nichts. Kein Anschluss, nirgends. Ich auf 180. Mein Mann war doch in der Werkstatt! Hat bezahlt! Sagt einem denn niemand, dass man auch eine Steckdose braucht?!

Ich fluche erst auf Deutsch, dann auf Polnisch. Der Nachbar zieht sich diskret zurück. Ich stürme ins Haus. In Polen wäre das undenkbar. Da erklärt man alles – und noch mehr. Anhänger, Kupplung, Steckdose, plus Lebensgeschichte gratis. In Deutschland? Keine Frage, keine Antwort. Punkt.

Mein Mann bleibt ruhig. „Die Steckdose ist da“, sagt er. „Man muss sie nur ausklappen.“ Ich wieder unters Auto. Nichts. Ich fluche weiter und plane innerlich schon meine Rückkehr nach Polen.

Er googelt. Wortlos. Geht in die Garage. Kommt zurück: „Sie ist da.“

Ich verlange Beweisführung. Und siehe da: Die Steckdose existiert. Nicht vorne zum Ausklappen – sondern seitlich nach unten. Halleluja. Ich bin erschöpft.

Fazit: Polnische Handwerker erklären alles. Deutsche nur das, was man fragt – und genau so viel wie nötig. Nicht mehr, nicht weniger. Ordnung muss sein.

Nach all den Jahren habe ich das immer noch nicht gelernt. Selber schuld.

Und falls Sie sich fragen, warum mein Mann den Träger nicht selbst montiert hat: Einen Meister stört man nicht beim Kochen.

Polnischer Abgang

Bild mit KI generiert

Leute, wir müssen reden! – habe ich mir gedacht, als ich vor kurzem WDR 2 gehört habe. Das Moderatorenteam diskutierte mit Zuhörern darüber, wie man am besten eine Party verlässt. Höflich verabschieden? Allen die Hand schütteln? Oder einfach verschwinden?

Und plötzlich fiel die Redewendung: „Polnischer Abgang“.

Ich musste kurz überlegen. Ich lebe schließlich schon mein halbes Leben in Deutschland – also wirklich lange – aber diesen Begriff hatte ich noch nie gehört. Ein „polnischer Abgang“ bedeutet, dass sich jemand heimlich davonschleicht, ohne sich zu verabschieden. Aha. Wieder was gelernt. Offenbar bin ich all die Jahre immer falsch von Partys gegangen – nämlich mit „Auf Wiedersehen“.

Leider sind Sprichwörter über Polen in der deutschen Sprache öfter mal… sagen wir: nicht gerade schmeichelhaft. Da gibt es zum Beispiel die „polnische Wirtschaft“. Diese Redewendung steht für Chaos, Unordnung und schlechtes Management.

Da muss ich heute laut lachen. Wirklich laut. Aktuellen Berichten zufolge gehört Polen inzwischen zu den größten Volkswirtschaften: „Polen steigt unter die 20 größten Volkswirtschaften der Welt“, schrieb die Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer am 29.08.2025. Die Tagesschau berichtete am 10.01.2026 dagegen, warum Polens Wirtschaft boomt. Euronews – ein paneuropäischer und mehrsprachiger Fernsehsender für Nachrichten – betitelte am 04.03.2026 seinen Artikel: „Vergleich: Polen ist ein Aufstiegsland – und Deutschlands Wirtschaft stagniert“.*

Polens Wirtschaft ist nach Angaben der EU-Kommission im vergangenen Jahr um etwa 3,2 Prozent gewachsen. Im Jahr 2026 rechnet man mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, während die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr nur ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnete. Im Jahr 2026 sollen es 1,2 Prozent sein.

Die Wirtschaft in Polen wächst, Unternehmen investieren, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Digitalisierung, Innovation, neue Fabriken – alles dabei. Wenn das „polnische Wirtschaft“ ist, dann sollten wir das Wort vielleicht neu definieren:
Polnische Wirtschaft = läuft.

Und dann sind da noch diese alten Klassiker: „polnisch einkaufen“, „kaum gestohlen, schon in Polen“ und „Fahren Sie nach Polen? Ihr Auto ist schon da.“ Ein Witz aus den 90er-Jahren. Damals, nach dem Fall der Berliner Mauer, stiegen die Autodiebstähle, und schnell hatte man einen Schuldigen gefunden: den Nachbarn im Osten. Der Witz hat sich bis heute gehalten.

Nur hat die Geschichte inzwischen eine kleine Wendung genommen. Die deutsche Automobilindustrie hat längst Produktionsstandorte nach Polen verlegt. In Poznań zum Beispiel rollen jedes Jahr Tausende Fahrzeuge vom Band: Lieferwagen, Familienautos, Camper. Modern, neu, mit Garantie. Das sind Modelle wie zum Beispiel VW Caddy, VW Crafter und VW Grand California. Wenn Sie heute nach Polen fahren, brauchen Sie also keine Angst um Ihr Auto zu haben. Im Gegenteil: Sie könnten sich dort sogar ein neues abholen.

So ändern sich die Zeiten.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, ein paar alte Redewendungen in Rente zu schicken. Oder ihnen wenigstens ein Update zu verpassen. Genug geredet. Ich verabschiede mich jetzt. Höflich. Mit Handschlag. Und ganz ohne Klischees.

Oder… vielleicht mache ich doch einen kleinen „polnischen Abgang“…

*Quellen:

https://www.ahk.pl/de/aktuelles/2025/polen-steigt-unter-die-20-groessten-volkswirtschaften-der-welt?utm_source=chatgpt.com

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/polen-wirtschaft-boom-100.html

https://de.euronews.com/2026/03/04/polens-wirtschaft-boomt-kann-deutschland-davon-lernen

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Produktionsstandorten_in_der_Automobilindustrie

Im wunderschönen Monat Mai

Bilder mit KI generiert.

Wenn ich an Mai denke, kommt mir sofort das Gedicht von Heinrich Heine in den Sinn:

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

[…]

Der Frühling ist da, alles blüht und es schwebt Liebe in der Luft. Es ist die Zeit der Freude. In Deutschland tanzt man in den Mai, in Polen dagegen grillt man in den Mai hinein. Das wichtigste Wort in diesem Monat in Polen heißt „majówka“.

Die Bezeichnung ist aus dem Wort „Maj“, zu Deutsch „Mai“, entstanden und steht für ein Picknick oder eine Veranstaltung im Mai im Freien. Man trifft sich mit Freunden, fährt aufs Land, grillt und feiert.

Dazu haben die Polen viele Möglichkeiten und viel Zeit. Gleich am Anfang des Monats gibt es nämlich zwei Feiertage. Am 1. Mai feiert man den Internationalen Tag der Arbeit, jetzt nicht mehr wie im Kommunismus, indem man nach einem Maiumzug zu einer sozialistischen Maikundgebung gegangen ist. In der Demokratie ist der feierliche Rahmen lockerer und freiwillig. Die Teilnahme an politischen Veranstaltungen ist keine Pflicht mehr. Es finden Demonstrationen verschiedener Gruppierungen statt, die von Picknicks, Jahrmärkten, Konferenzen, Open-Air-Diskussionen oder Konzerten begleitet werden.

Der andere Maifeiertag ist am 3. Mai. An diesem Tag feiert man die polnische Verfassung, die als erste ihrer Art in Europa und als zweite in der Welt verabschiedet wurde. Sie wurde am 3. Mai 1791 vom Sejm, dem polnischen Parlament, im Warschauer Königsschloss verabschiedet. Dieser Nationalfeiertag hat eine nicht so lange Tradition wie der Tag der Arbeit und wurde erst am 6. April 1990 eingeführt.

Somit freuen sich die Polen nicht nur über die Feiertage. Sie nutzen jedes Wochenende, um endlich Zeit im Freien zu verbringen und bei der majówka das schöne Wetter zu genießen.

Versuch’s auf Polnisch!

Sie würden gerne Polnisch lernen und wissen nicht, wie Sie anfangen sollen? Ich frage in solchen Fällen immer nach dem Grund der Entscheidung, denn dieser ist ausschlaggebend. Ob Urlaub, ein Studium oder eine familiäre Situation – in jedem dieser Fälle würde ich anders starten.

Menschen, die noch keine Vorkenntnisse haben und noch kein Geld investieren wollen, empfehle ich eine Starthilfe: die kostenlose Sprach-App „Versuch’s auf Polnisch!“. Die App lässt sich einfach bei Google Play für Android-Geräte oder im App Store für iPhones und iPads herunterladen. Entwickelt wurde sie vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und dient als mobiler Sprachführer für den deutsch-polnischen Jugendaustausch, Reisen oder den Alltag. Für Polnischsprechende, die Deutsch lernen, gibt es in der App eine Gegenpublikation „Spróbuj po niemiecku!“, die gleich aufgebaut ist – mit dem Unterschied, dass es sich hier um die deutsche und nicht um die polnische Sprache handelt.

Diese App ersetzt keinen Sprachkurs, vermittelt aber Grundlagen, auf denen man gute Grundkenntnisse aufbauen kann. Für den schnellen Gebrauch gibt es einige Redewendungen, die im Alltag hilfreich sein können. Der Vorteil dieser App ist, dass man sich jedes Wort oder jeden Satz vorsprechen lassen und zu den Favoriten hinzufügen kann, um danach die selbst erstellte Favoritenliste beliebig oft wiederholen zu können.

Das Wörterbuch lässt sich von A bis Z durchscrollen. Wie viele Wörter es umfasst, wird in der App leider nicht angegeben. Für einen guten Anfang reicht es jedoch. Die akustischen Vorlesehilfen werden durch schriftlich verfasste Ausspracheregeln ergänzt, die kurz anhand von Beispielen erklärt werden. Die polnische Grammatik wird auf das Nötigste beschränkt, ersetzt aber auf keinen Fall ein gutes Regelwerk. Das Wissenswerte liefert einige gute Informationen, um das Land und die Leute ein wenig kennenzulernen, und macht neugierig auf mehr.

Kurz und gut: Die App ermöglicht einen guten, kostenlosen Einstieg auf dem langen Weg des Spracherwerbs. Probieren Sie es selbst.

Endlich Frühling!

Bild mit KI generiert.

Als ich meinen Mann nach deutschen Bräuchen zum Frühlingsanfang gefragt habe, war ich mir eigentlich sicher: Er müsste es wissen. Irgendetwas Besonderes, das man jedes Jahr am 21. März macht.

Nein, ich meinte nicht die Osterbräuche. Eher so etwas wie ein kleines Ritual zum Frühlingsanfang.

Seine Antwort war allerdings ernüchternd: Nein. So etwas kennt er nicht. Zumindest nicht aus der Gegend in Deutschland, aus der er kommt.

In Polen wäre diese Frage dagegen ganz einfach. Dort würden wahrscheinlich alle sofort zwei Dinge nennen:
„Topienie Marzanny“ – die „Ertränkung der Marzanna“ – und den „Dzień Wagarowicza“, also den Tag des Schulschwänzers.

Ertränkung der Marzanna

Am ersten Frühlingstag, dem 21. März, wird in Polen eine Puppe aus Stroh bunt angezogen, zuerst angezündet und dann in einen Fluss geworfen. Die Puppe symbolisiert eine heidnische Todesgöttin, die den Winter brachte. Durch ihre Verbrennung und Ertränkung soll auf diese Weise der Winter vertrieben werden, damit endlich der Frühling kommt und es später eine gute Ernte gibt.

Dieser altslawische Brauch hat sich über Jahrhunderte hinweg erhalten und wird bis heute zelebriert – in ländlichen Gegenden stärker als in den Städten. Besonders beliebt ist der Brauch in Kindergärten und Schulen.

Tag des Schulschwänzers

Die zweite Besonderheit, die am ersten Frühlingstag unter polnischen Schülern sehr beliebt ist, ist der „Tag des Schulschwänzers“. An diesem Tag machen viele polnische Schüler „blau“ und gehen nicht zum Unterricht.

Es ist kein offizieller Feiertag und kein Schüler wird von der Schulpflicht befreit. Trotzdem hat sich dieser Tag fest in die Tradition der polnischen Schulen eingeprägt. Die Tradition geht auf die kommunistischen Zeiten zurück, genauer gesagt auf die Zeit der Volksrepublik Polen (PRL). Das Schulschwänzen war eine Art des Rebellierens gegen das starre Schulsystem.

Wie es heute ist

Heute versuchen viele Schulen, an diesem Tag etwas Besonderes zu veranstalten – einen Ausflug, ein Fest oder einen Kinobesuch –, damit die Schüler in der Obhut der Schule bleiben. Es geht dabei vor allem um die Sicherheit der Schüler und den Naturschutz.

Deshalb wird an diesem Tag nicht mehr so oft geschwänzt wie früher und die Strohpuppe Marzanna wird meist nicht mehr richtig verbrannt oder ertränkt, um die Umwelt zu schonen. Eigentlich eine gute Entwicklung, oder?

Und trotzdem: Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als es am 21. März wirklich wild zuging. Diese Erinnerungen sind mir bis heute geblieben.

Das waren Zeiten.

Polnische Osterbräuche: „Gesegnetes“ oder „Gießmontag“

Ostern ist ein kirchliches Fest der Auferstehung Jesu Christi und wird in allen christlichen Ländern gefeiert. Die nationalen und regionalen Osterbräuche sind es jedoch, die die Tage der Karwoche in jedem Land anderes prägen.

In Polen gibt es an den Ostertagen zwei Gebräuche, die man meines Wissens so in Deutschland nicht findet.

Święconka“ (Gesegnetes)

Am Karsamstagvormittag gehen Familien in Polen mit einem Körbchen, das auf Polnisch „święconka“ (Gesegnetes) heißt, in die Kirche, um Speisen für das Frühstück am Ostersonntag segnen zu lassen. Die Körbchen werden schön geschmückt und beinhalten meistens bunt bemalte Eier, Brot, Wurst, Salz, Pfeffer und Kuchen. Sie werden auf einen Tisch in der Kirche abgestellt und jeder schaut heimlich, wer das schönste Körbchen hat. Nach einem Gebet werden sie von einem Priester gesegnet und mit Weihwasser besprengt. Ein Teil aus den Körbchen wird direkt in der Kirche für die Armen gespendet. Am Ostersonntag werden die gesegneten Eier geschält und mit der Familie am Festtisch geteilt. Dabei wünschen sich die Familienmitglieder frohe Ostern.

„Śmigus-dyngus“ (Gießmontag)

Das zweite, typisch polnische Brauchtum ist der „śmigus-dyngus“, genannt auch „lany poniedziałek“, zu Deutsch „nasser Montag“ oder „Gießmontag“.

Wie der Name schon verrät, findet er am Ostermontag statt. An diesem Tag bespritzen sich alle, Jung oder Alt, mit Wasser, dem Symbol für Reinheit und Fruchtbarkeit. Diese Tradition hat ihren Ursprung in heidnischen Bräuchen. Im Frühjahr wurden junge, noch nicht verheiratete Frauen von Männern mit Wasser besprengt. Man glaubte, dass dies ihre Chancen erhöhte, bald einen Ehemann zu finden.

Heute warten auf diesen Tag vor allem Kinder und Jugendliche. Andere Menschen mit Wasser unbestraft nass machen zu dürfen, macht viel Spaß. An diesem Tag sind in Polen ein Regenschirm oder eine Regenjacke angesagt, wenn man den Wasserangriffen einigermaßen Widerstand leisten möchte. Eine Garantie für trockene Kleidung gibt es am Ostermontag jedoch nicht. Während Jugendliche auf der Straße mit Eimern voller Wasser laufen und sogar ganze Wassereimer durch geöffnete Bustüren schütten, bevorzugen ältere Generationen ein Fläschen Parfüm. Jeder kann nun für sich entscheiden, welche Variante nassgespritzt zu werden ihm die liebere ist.

Um  diese Bräuche zu erleben, lohnt es sich, an Ostertagen Polen zu besuchen. Nur so erlebt man den polnischen Zauber dieser Tage und bekommt „nasse Füße“.

In diesem Sinne frohe Ostern und Wesołych Świąt Wielkanocnych

wünscht

Magdalena Kuckertz

Mehrsprachiges Bilderbuchkino: „Fünf Fremde in Dusty Hill“ von Daniel Fehr

Lesung auf Deutsch, Russisch und Polnisch

Übersetzung des Buchs ins Polnische: Magdalena Kuckertz

Am 24.03.2026 nehmen wir euch mit auf einen Besuch in das kleine Städtchen Dusty Hill. In die Stadt sind fünf Fremde gekommen. Sie sind anders, haben andere Sitten und andere Essgewohnheiten. Die Bewohner sind verunsichert. Sind die Fremden gefährlich? Und wer hat eigentlich die Bank ausgeraubt?

Bei dieser Lesung ist es nicht nur wichtig zuzuhören – du musst auch deine Augen ganz weit offen halten. Denn die Bilder aus dem Buch werden wie im Kino auf eine Leinwand projiziert. Schlüpfe in die Rolle eines Sheriffs und bilde dir deine eigene Meinung. Haben die Bewohner recht, misstrauisch zu sein?

Polnisch bei Antolin

Wie groß war meine Überraschung, als ich vor ein paar Monaten entdeckt habe, dass man bei Antolin Quizfragen auf Polnisch zu polnischen Büchern bearbeiten kann!

Kurze Vorgeschichte: Meine Tochter ist Grundschulkind und ihre Grundschule hat bereits in der 1. Klasse Zugänge zu Antolin verteilt. Bis meine Tochter so weit war und einigermaßen selbstständig gut lesen konnte, vergingen zwei Jahre. Daher haben wir Antolin erst in der 3. Klasse richtig kennengelernt. Und siehe da – beim Stöbern auf den Seiten von Antolin haben wir unter den Fremdsprachen polnische Bücher entdeckt.

Über 680 polnische Bücher

Die Auswahl ist groß. Unter den aufgelisteten polnischen Büchern befinden sich nicht nur Klassiker, sondern auch moderne Titel. Das Prinzip der Seite ist einfach: Wird ein Buch über die Suche gefunden, kann man es anklicken und ein Quiz auf Polnisch zu dem Buch starten. Man findet Bücher, die altersgerecht empfohlen werden – von der 1. bis zur 10. Klasse. Für jedes Quiz bekommt man Punkte, die man sammeln kann. Das Sammeln der Punkte, um später einen Orden zu erhalten, macht den Kindern richtig Spaß.

Zugang – der größte Kritikpunkt

Leider kann nicht jeder Antolin benutzen. Den Zugang erhält man nur über eine Schule oder  – in den Sommerferien während des Sommerleseclubs  – über eine Bibliothek. Eltern oder Privatpersonen können keine Nutzungslizenz erwerben. Das ist ein sehr großer Nachteil des Web-basierten Programms zur Leseförderung. Wenn die Schule des Kindes keine Lizenz besitzt, kann man das Programm nicht nutzen. Eine große Enttäuschung für viele kleine Leseratten beginnt dann, wenn das Schulkind auf eine weiterführende Schule wechselt, die keine Antolin-Zugänge zur Verfügung stellt. Denn dann sind die Zugangsdaten mitsamt allen Punkten und Orden futsch.

Eltern erstellen Quizfragen

Die Quizfragen zu den bei Antolin erfassten Büchern werden nicht nur vom Antolin-Redaktionsteam erstellt. Neben Lehrenden können auch Eltern dazu beitragen und eigene Quiz verfassen. Die Mitarbeit erfolgt ehrenamtlich. Dadurch kann man jedoch Einfluss darauf nehmen, zu welchen Büchern Quiz verfügbar sind, und gemeinsam mit dem Kind gezielt Bücher auswählen und lesen. Seitdem ich ehrenamtlich Quizfragen auf Polnisch für Antolin erstelle, nutze ich diese Möglichkeit und übe mit meiner Tochter die Lesekompetenz auch auf Polnisch. Ich hoffe, dass sie dadurch mehr Spaß beim Lesen hat und ihre Herkunftssprache öfter nutzt.

Die Reform der polnischen Rechtschreibung ab dem 01.01.2026

„Schöne Bescherung!“, habe ich gedacht, als ich Weihnachten 2025 erfahren habe, dass auch die polnische Rechtschreibung reformiert wurde und die neuen Regeln ab dem 01.01.2026 gelten. Eine Rechtschreibreform habe ich schon miterlebt, als ich Deutsch gelernt habe. Los ging es damit in Deutschland im Jahr 1996. In den Jahren 2004 und 2006 wurde das deutsche Regelwerk in besonders strittigen Punkten nochmals überarbeitet und einige alte Regeln wurden wiederhergestellt.

Ich habe mit Interesse die Diskussionen über die Reform der deutschen Rechtschreibung beobachtet und mich geärgert, dass ich einige Bücher wegschmeißen musste, weil sie noch nach den alten Regeln vor 1996 gedruckt worden waren.

Ich hoffe, dass der Rat für die polnische Sprache (poln. Rada Języka Polskiego) weiß, was er tut. Nachdem ich die neuen Regeln überflogen habe, bin ich ein wenig enttäuscht, dass die grundlegenden Regeln für die Schreibweise von „rz“ und „ż“, „ch“ und „h“ sowie „ó“ und „u“ weder jetzt noch in Zukunft geändert werden. Dies hat der Rat in seiner Mitteilung vom 15.05.2024 (zum Nachlesen unter:
https://pan.pl/rada-jezyka-polskiego-oglasza-najnowsze-zmiany-w-zasadach-polskiej-pisowni/) ausdrücklich betont. Denn das wäre eine große Erleichterung für die meisten von uns, die ständig damit zu kämpfen haben und überlegen müssen, welche Form von den beiden – „rz“ oder „ż“, „ch“ oder „h“ sowie „ó“ oder „u“ – die richtige ist.

Und nun kurz zu einigen Änderungen:

• Einwohner und Einwohnerinnen einer Stadt werden jetzt großgeschrieben: „Warszawianin“, „Warszawianka“
• Großschreibung gilt jetzt bei allen geografischen Namensteilen: „Wyspa Uznam“, „Półwysep Hel“
• „nie“ mit Adjektiven wird zusammengeschrieben: „niepalący“, „nieumyty“
• Zusammenschreibung gilt auch mit „niby-“ und „quasi-“: z. B. „nibyartysta“, „nibygotyk“, „quasiopekun“.
• Wörter mit Vorsilben wie z. B. „super-“, „ekstra-“, „eko-“ oder „mini-“ darf man zusammen oder getrennt schreiben. Beides ist richtig: „superpomysł“ oder „super pomysł“.

Die polnische Sprache bleibt weiterhin kompliziert – bei einigen Schreibregeln aber wenigstens konsequent.

Und wer alle Regeln mit vielen Beispielen nachlesen möchte, dem empfehle ich folgende Lektüre unter diesem Link:

https://publikacje.pan.pl/dlibra/flipbook/137599?fbclid=IwdGRzaAPJd6BjbGNrA8l3dGV4dG4DYWVtAjExAHNydGMGYXBwX2lkDDM1MDY4NTUzMTcyOAABHntVwyClPIx2lO2Pzlg

An Heiligabend grüßt uns lautlos der Karpfen aus der Badewanne

Bild mit KI generiert.

Wie jedes Jahr vor Heiligabend stehen auf polnischen Straßen Karpfenhändler. In großen, voll mit Wasser gefüllten Plastikbecken bieten sie Fische an, die von den meisten Kunden lebendig gekauft werden. Die Polen kaufen Karpfen ein oder zwei Tage vor Weihnachten und gönnen ihnen in der Badewanne zu Hause noch ein paar Stunden Gnadenfrist, bevor sie als Hauptgericht auf dem Weihnachtstisch serviert werden.

Als Kinder haben wir die Fische gerne im Badezimmer beobachtet und waren traurig, dass ihre Stunden gezählt sind. Sie waren eine große Attraktion und für uns viel interessanter als kleine Aquariumfische.

Keiner von uns hat diese Tradition je in Frage gesellt. Seit Generationen wird in Polen dieser Fisch verspeist. Und obwohl die Gläubigen an Heiligabend nicht fasten müssen, wird in Polen an diesem Tag kein Fleisch gegessen. Traditionell werden 12 Speisen aufgetischt, darunter der Karpfen in allen möglichen Varianten, z. B. in Aspik, gebraten oder gekocht. Bigos oder Pilzsuppe dürfen auch nicht fehlen. Als Nachtisch gibt es verschiedene Kuchensorten und zum Trinken eingelegtes Obst im eigenen Saft.

Die Erklärung, warum an Heiligabend in Polen kein Fleisch serviert wird, finden polnische Kulturexperten in einem Brauch, nach dem auf den polnischen Dörfern an Heiligabend Haus- oder Nutztiere als Gäste zum Fest eingeladen wurden. Die Menschen glaubten nämlich, dass an diesem Abend alle Tiere sprechen könnten. Und um keine Klagen der Tiere hören zu müssen, hatte man auf deren Fleisch an diesem Tag verzichtet.

Ob in dieser Geschichte ein Körnchen Wahrheit steckt, habe ich mehrmals versucht rauszukriegen. Ohne Erfolgt. Vielleicht gelingt es mir in diesem Jahr endlich, sprechende Tiere zu treffen. Aber darüber werde ich Euch erst im nächsten Jahr berichten.

Und bis dahin wünsche ich Euch besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Magdalena Kuckertz

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