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Als ich meinen Mann nach deutschen Bräuchen zum Frühlingsanfang gefragt habe, war ich mir eigentlich sicher: Er müsste es wissen. Irgendetwas Besonderes, das man jedes Jahr am 21. März macht.

Nein, ich meinte nicht die Osterbräuche. Eher so etwas wie ein kleines Ritual zum Frühlingsanfang.

Seine Antwort war allerdings ernüchternd: Nein. So etwas kennt er nicht. Zumindest nicht aus der Gegend in Deutschland, aus der er kommt.

In Polen wäre diese Frage dagegen ganz einfach. Dort würden wahrscheinlich alle sofort zwei Dinge nennen:
„Topienie Marzanny“ – die „Ertränkung der Marzanna“ – und den „Dzień Wagarowicza“, also den Tag des Schulschwänzers.

Ertränkung der Marzanna

Am ersten Frühlingstag, dem 21. März, wird in Polen eine Puppe aus Stroh bunt angezogen, zuerst angezündet und dann in einen Fluss geworfen. Die Puppe symbolisiert eine heidnische Todesgöttin, die den Winter brachte. Durch ihre Verbrennung und Ertränkung soll auf diese Weise der Winter vertrieben werden, damit endlich der Frühling kommt und später eine gute Ernte.

Dieser altslawische Brauch hat sich über Jahrhunderte hinweg erhalten und wird bis heute zelebriert – in ländlichen Gegenden stärker als in den Städten. Besonders beliebt ist der Brauch in Kindergärten und Schulen.

Tag des Schulschwänzers

Die zweite Besonderheit, die am ersten Frühlingstag unter polnischen Schülern sehr beliebt ist, ist der „Tag des Schulschwänzers“. An diesem Tag machen viele polnische Schüler „blau“ und gehen nicht zum Unterricht.

Es ist kein offizieller Feiertag und kein Schüler wird von der Schulpflicht befreit. Trotzdem hat sich dieser Tag fest in die Tradition der polnischen Schulen eingeprägt. Die Tradition geht auf die kommunistischen Zeiten zurück, genauer gesagt auf die Zeit der Volksrepublik Polen (PRL). Das Schulschwänzen war eine Art des Rebellierens gegen das starre Schulsystem.

Wie es heute ist

Heute versuchen viele Schulen, an diesem Tag etwas Besonderes zu veranstalten – einen Ausflug, ein Fest oder einen Kinobesuch –, damit die Schüler in der Obhut der Schule bleiben. Es geht dabei vor allem um die Sicherheit der Schüler und den Naturschutz.

Deshalb wird an diesem Tag nicht mehr so oft geschwänzt wie früher und die Strohpuppe Marzanna wird meist nicht mehr richtig verbrannt oder ertränkt, um die Umwelt zu schonen. Eigentlich eine gute Entwicklung, oder?

Und trotzdem: Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als es am 21. März wirklich wild zuging. Diese Erinnerungen sind mir bis heute geblieben.

Das waren Zeiten.